Oldfield: Islands - unterschätzt?

Mike Oldfield hat mehr als 25 Studio-Alben veröffentlicht, viele davon mit Goldstatus. Die bekanntesten sind die Konzeptalben “Tubular Bells”, “Ommadawn” und vielleicht “Hergest Ridge”. Um die geht’s vielleicht ein anderes Mal.

Vor einigen Wochen bin ich im Plattenladen über eine Kopie von “Islands” gestolpert. Als CD und Elektronisch hab ich das 1987 erschienene Album zwar, aber es muss schon einige Jahre her sein, dass ich es komplett gehört habe. Und so hatte ich das Album nur wegen der namengebenden Schmonzette mit Bonny Tyler in Erinnerung. Die Platte sollte 4 Euro kosten und sie fehlte in meiner Sammlung.

Beim Probehören kam dann die Überraschung. Die A-Seite des Albums enthält nämlich keine Pop-Stücke, sondern ein zweiteiliges Konzept-Stück namens “The Wind Chimes” (dt. Die Windspiele). Teil 1 ist ca 2:30 lang und funktioniert als Intro für das Album.

Teil 2 ist dann ein knapp 20minütiges Instrumental-Stück, dass in Oldfield-typischer Manier, abwegslungsreich durch verschiedene musikalische Fragmente führt, die immer wieder durch die Gitarre zusammengebunden werden. Anscheinend unzusammenhängende Fragmente werden immer wieder aufgenommen, modifiziert und neu interpretiert, sodass das Stück nach mehrmaligem Hören auch irgendwie zusammenwächst.

“The Wind Chimes” ist ein Stück, bei dem ich glücklich bin, wenn ich es “geschafft” habe. Es wird immer wieder Spannung aufgebaut, die das Stück stelleweise auch etwas anstrengend macht. Die Spannung wird dann in ruhigeren Passagen harmonisch aufgelöst, und es beginnt von vorn. Ein Stück, dass erarbeitet werden will, dann aber auch belohnt.

Die B-Seite des Albums enthält dann die fünf Pop-Stücke “Islands”, “Flying Start”, “North Point”, “Magic Touch” und “The Time Has Come”. Die CD-Version schliesst dann mit dem Sechseinhalbminüter “Whent The Night’s on Fire”, in dem einige Themen des Albums noch einmal aufgegriffen werden.

“Islands” ist bestimmt nicht Oldfields stärkstes Album. “The Wind Chimes” ist recht nett und wirkt laut und mit Subwoofer gespielt (entschuldigt, Nachbarn) am Besten. Die B-Seite hat aus meiner Sicht wenig interessantes zu bieten, ist halt 80er Jahre-Pop. “The Time Has Come” finde ich musikalisch noch am interessantesten, vielleicht aber auch nur, weil ich die Stimme von Anita Hegerland mag.

Aber reinhören kann man schon mal.

Noch etwas zu den Videos:
Diese stammen von dem 1988 auf VHS und Laserdisc veröffentlichten Video-Album “The Wind Chimes” und wirken heute mit ihren ineinander geblendeten Stock-Bildern und den Animationen ein wenig unbeholfen. Die Videos wurden später auf der DVD-Version von “Elements” noch einmal als Extra digital veröffentlicht. Die beiden Videos oben sind eine Komposition des Videomaterial von dieser DVD und die Tonspur der CD. Meinen Geschmack treffen sie nicht.