Serie: Origin - Eine (erste) Youtube-Produktion

In einer durchtechnologisierten, dystopischen Welt bietet die Firma SIREN einen Neuanfang: „Wir nehmen Dich als Kolonisten mit auf einen fremden Planeten. Deine Vergangenheit bleibt auf der Erde.“ Die zehn Kolonisten, die auf dem menschenleeren Transportschiff Origin mitten im Weltall aufwachen, haben sich den Neuanfang sicher nicht als unmittelbaren Kampf ums Überleben vorgestellt. Irgendwas ist schief gelaufen … Wie soll man den Anderen vertrauen, wenn man nichts über sie weiß? Wie soll man vertrauen, wenn ein mordlüsternes Alien an Bord sein Unwesen treibt? Wie soll man überleben, wenn man nicht vertraut?

„Origin“ erinnert ein bisschen an Alien. Als Zuschauer haben wir den Luxus, dass wir Stile von „Lost“-ähnlichen Rückblenden die Protagonisten und ihre Hintergrundgeschichten nach und nach näher kennen lernen. Die Handlung ist gradlinig und nachvollziehbar, aber kein komplettes Neuland. Unerwartete Wendungen finden sich aber schon, es wird aber nicht aberwitzig. Das minimalistische Set hat sicher etwas mit den Kosten zu tun, trägt aber die Handlung ganz gut. Dass sich die Physik an Bord etwas komisch verhält, ignorieren wir einfach mal.

Bisher alles Mittelmaß? Vielleicht. Wären da nicht die unglaublich gute Charakterentwicklung und die schauspielerische Leistung des kompletten Ensembles. Die Geschichte hat mich mitgerissen, weil die Figuren lebendig wirkten. Vielleicht verstörend, aber zutiefst glaubwürdig. Ihr Schicksal war mir nicht egal – das geht mir bei vielen modernen Produktionen anders. Da spule ich schon mal vor, wenn mir ein Dialog zu langatmig wird.

Vielleicht noch was zum Set, weil ich weiter oben etwas unfair war. Es schließt optisch eigentlich ganz gut an die dystopische SF der 80er Jahre wie „Moon 44“, „Alien“ oder „Blade Runner“ an. Das Hochglanz-Finish im Interieur des Raumschiffs macht die Umgebung sogar noch etwas steriler. Und ich dachte, das abgeranzte Set von Duncan Jones‘ „Moon“ wäre deprimierend. Die Botschaft ist klar: Hier draußen haben Menschen nichts zu suchen! Entsprechend wirkt der Planet „Thea“ wie der versprochene Garten Eden …

Ich hoffe, es gibt eine zweite Staffel!

Die Episoden 1 und 2 gibt es auf Youtube für lau.

Der Trailer:

Kino: Alpha

Da ich gestern Abend etwas Zeit hatte, bin ich spontan ins Kino gegangen. Der Film hieß „Alpha“ und als Beschreibung hieß es lapidar „Action“, mehr wusste ich über den Film nicht.

„Alpha“ spielt im Europa vor 20.000 Jahren (im letzten Abschnitt der Altsteinzeit, oder am Ende des Pleistozäns). Die letzte Kaltzeit war schon knapp 100.000 Jahre in Gange und sollte auch noch weitere 10.000 Jahre anhalten. Der Film begleitet eine Gruppe von Jägern und Sammlern auf die Jagd und lernen ein wenig über ihre Riten, ihren Glauben, ihr Zusammenleben. Hauptcharakter ist der junge Keda, Sohn des Anführers Tau, der dieses Jahr das erste Mal mit zur großen Jagd aufbricht. Die erfolgreiche Jagd ist gefährlich, aber zugleich auch wichtig um den nächsten Winter zu überleben. Mehr möchte ich hier nicht sagen.

Die Handlung des Films wird vor allem durch eine gewaltige Bildsprache erzählt, gewaltig deshalb weil es die Natur selbst ist, gegen die die Protagonisten immer wieder bestehen müssen. Das wird vor allem durch beeindruckende Landschaftsaufnahmen und eine oft feindselig wirkende Umwelt erreicht. Das geht so weit, dass mir der in meiner Erinnerung nur am Anfang und am Ende vorkommende Erzähler hoffnungslos pathetisch und total unpassend vorkam. Die seltenen Dialoge fand ich eigentlich ganz passend und der Stimmung nicht abträglich.

Aus meiner Sicht haben die Macher es mit der Landschaft ein bisschen übertrieben. 20.000 Jahre sind geologisch gar nicht so viel zeit, aber die Welt wirkte jünger, kantiger, als hätten allein Algen und niedere Pflanzen das Recht auf so einer Welt zu leben. Überall Vulkane und geologisch jung wirkendes Gestein. Vielleicht war Island Vorbild für die Kulisse.

Die Haupthandlung wirkte für mich manchmal etwas zu komprimiert, als wären tausend Jahre Menschheitsgeschichte zu einem einzigen Winter komprimiert. Dadurch wird die Handlung selbst ein bisschen zu dick aufgetragen. Ich könnte Beispiele bringen, aber ich möchte diese Gedankensammlung spoilerfrei halten.

Aus den beiden vorangegangenen Abschnitten spricht natürlich Archeologie-Nerd in mir, der sich immer darüber aufregt, wenn jemand meint, aus einer gefundenen Tonscherbe detaillierte Erkenntnisse über den Alltag von Menschen vor zigtausend Jahren ableiten zu können. Der bemüht wirkende Realismus tut dem Film einfach nicht gut, er kommt mir manchmal zu dicht an den Bereich wo es unheimlich real, aber einfach nicht echt wirkt. Deshalb entschuldigt meine Ungnade an dieser Stelle.

Aber lässt man dies mal beiseite, haben wir hier einen recht guten Abenteuerfilm. Die Schauspielerei von Jóhannes Haukur Jóhannesson hat mich beeindruckt, Kodi Smit-McPhee hat in einigen Szenen etwas mit Pathos übertrieben, sonst war seine Arbeit aber auch grundsolide. Die Handlung war in Ordnung, die Geschichte eigentlich schön erzählt. Trotz des Gemeckers über die Landschaft gefiel mir vor allem die Erzählweise des Films durch die Bildsprache. Ich hatte fast den Eindruck, es sei die Verfilmung einer Graphic Novel. Vielleicht lag‘s an der Klimaanlage im Kino, ich habe an einigen Stellen ordentlich mitgefröstelt.

Ich kann den Film empfehlen. Die FSK ist 12, ich würde sagen mit entsprechender Begleitung können den auch Zehnjährige schauen.

PS: Ich will ‘nen Hund!

Bildquelle: Wikipedia, “fair use” zur Illustration eines den Film betreffenden Artikels

Was ich mit dem Blog vorhabe

Vielleicht wundert es, dass es hier Artikel gibt, die vor dem Erstellungsdatum am 27.08.2018 datiert sind. Das und was dieses Blog mit Facebook zu tun hat, steht in diesem Artikel.

TL/DR: Facebook soll meine Texte nicht haben.

Und hier die Langfassung:

Ich habe ein paar Probleme damit, was mit meinen Artikeln oder Texten auf Facebook passiert. Und zwar:

  1. Niemand liest alte Postings auf Facebook
    Die typische Nutzung von Facebook wird vom Algorithmus gesteuert. Auf den hat kein Autor Einfluss. Aber die meisten schauen sich nur ihre Timeline an. Manche schalten noch den Algorithmus-Filter aus, andere nicht. Artikel, die älter als ein paar Tage sind, tauchen aber praktisch nie in der gefilterten Timeline auf und sind damit für die Masse Leser verschwunden. Vielleicht verirrt sich mal jemand auf ein Profil und scrollt sich so durch.
  2. Niemand liest Text auf Facebook
    Facebook ist ein Durchscrollmedium. Ihr kennt vielleicht diese Postings, die damit spielen, dass nur die Überschriften gelesen werden, und der eigentliche Text irrlevant ist. Facebook ist ein Medium für Videos und Bilder. Und das so krass, dass es Dienste gibt, die Kurze Nachrichten in ein Bild umwandeln und dann auf Facebook posten. Ich finde das aus verschiedenen Gründen blöd, vor allem aber weil diese Bilder nicht Barrierefrei sind, also z.B. von sehbehinderten Menschen nicht oder nur schwer gelesen werden können.
  3. Facebook macht Geld mit meiner Arbeit
    Die einzigen, die also einen Nutzen von meinen alten Postings haben, sind Facebook und ihr Algorithmus. Unsere Inhalte machen Facebook für andere interessant. Ob es Werbetreibende sind, die sich davon Vorteile versprechen oder unsere Freunde, die auf Facebook kommen, weil sie wissen wollen, was bei uns so los ist.
    Die allgemeinen Geschäftsbedingungen von Facebook sind auch noch so gestaltet, dass ich meine Nutzungsrechte aufgebe oder zumindest teile. Auch das passt mir nicht so richtig.

Weil ich mit einigen mir wichtigen Leuten nur über Facebook Kontakt halten, ist das Löschen meines Accounts keine Lösung. Aber ich muss ja meine Inhalte nicht auf deren Seite stellen.

Schon vorhandene Texte, die ich aus irgendwelchen (meist sentimentalen Gründen) für erhaltenswert halte, werde ich nach und nach in dieses Blog übertragen. Deshalb gibt es hier auch Artikel, die älter sind als das Blog.

Wie ich mit neuen Postings umgehe, weiss ich noch nicht. Ich könnte sie genau wie alte Postings erst mal auf Facebook stellen und nach einer Woche wieder löschen. Oder ich verlinke grundsätzlich auf meinen Blog. Mal schauen, was sich da als der sinnvollere Weg herausstellt.

Am Ende ist es mir egal, ob jemand meine Texte liest, aber ich möchte meinen Frunden schon Gelegenheit geben, sie zu finden.

Soviel dazu.

Auf ein Neues

Es wurde mal wieder Zeit, etwas unter der Motorhaube meines Blogs zu schrauben und alten Ballast zu entsorgen. Weil ich die meisten Funktionen von Wordpress ohnehin nicht genutzt habe, ist es dieses Mal ein statisches HTML-Blog auf der Basis von Hexo und NGINX. Im Moment läuft der Server schon mal, es sieht aber alles noch sehr nach dem Standard-Theme aus. Das wird sich demnächst hoffentlich ändern.

Was ist noch zu tun?

  • About/Impressum anlegen
  • SSL einschalten
  • Theme anpassen
  • Alte Facebook-Postings migrieren.
  • Atom aktivieren
  • Google Analytics-Links rausschmeissen.

Ist noch eine Menge Arbeit.

7Tage7Cover: Epilog

Zuerst möchte ich mich bei Frank Röhr bedanken und gleichzeitig um Entschuldigung bitten. Rückblickend betrachtet hätte ich vielleicht warten sollen, bis Frank mit seinem Zyklus durch ist. Aber ich hatte wirklich Lust auf dieses Projekt und gerade Urlaub, so dass ich jetzt auch die Zeit hatte. Sorry Frank, falls ich Dir dazwischen gefunkt habe.

Dank geht auch an Thomas Römer für die Idee zu dieser Challenge.

Zum Schluss möchte ich noch einige Autoren und Bücher erwähne, die für mich wichtig waren, aber in dieses Format nicht mehr gepasst hätten.

Der „Songs of Ice and Fire“-Zyklus von George R. R. Martin, weil es einfach verdammt gute Fantasy ist und ich die Leidenschaft für die Geschichten und das Bangen, ob erst der fünfte, und später der sechste Band jemals rauskommen würde, über die Jahre mit vielen guten Freunden geteilt habe. Derzeit bangen wir um Band 7.

The „Great Game“-Trilogie von Dave Duncan, weil die Idee ganz eigen ist und eine wirklich schöne Fantasy-Geschichte erzählt. Gleiches gilt für die Pandemia-Saga („A Man of His Word“)

Das „Old Man‘s War“-Universum von John Scalzi, weil es klein anfängt und dann ein unglaublich komplexes Universum aufbaut.

Die Romane vom schon erwähnten Stephen Baxter, weil jeder einzelne gut ist.

Die „Night’s Dawn Trilogy“ von Peter F. Hamilton, weil sie mir die Hoffnung auf Unsterblichkeit gab.

Die Romane von Eric Idle, weil sie einfach lächerlich sind :)

Stephen King, weil er in fast allen Deutschstunden unter dem Tisch lag. Und weil seines sechsjährige Schaffenspause am Dark Tower zwischen Band 3 und 4 mich auf GRRM vorbereitet hat. (Ich war jung, es kam mir viel länger vor).

Der „Memory, Sorrow, and Thorn“-Zyklus von Tad Williams, neben dem Herrn der Ringe meine erste Berührung mit Fantasy war.

„Solaris“ von Stanisław Lem, „Die Buddenbrooks“ von Thomas Mann und „Das Faucoltsche Pendel“ von Umberto Eco. Einfach, weil ich es geschafft habe, bis zum Ende durchzuhalten. Ob es dafür einen Preis gibt?

Oh, hab ich J.R.R. Tolkien vergessen? Ihr wisst schon …

Das „Long Price Quartet“ Daniel Abraham.

Die „Riftwar“ Saga von Reymond E. Feist muss ich glaub ich gar nicht erwähnen …

Und dann war da noch …

NEIN! SCHLUSS JETZT! ALLES MUSS IRGENDWANN ENDEN!

Na dann. Bis bald.

Zu guter Letzt:
Ich werde das Projekt in einigen Wochen auf Facebook depublizieren. Ich plane aber, zumindest die Texte auf einer anderen Plattform veröffentlichen.

7Tage7Cover: Tag 7 von 7: The Songs of Distant Earth

Arthur C. Clarke - The Songs of Distant Earth

Tag 7 von 7. Frank Röhr ist schuld. Also: 7 Tage lang Bücher, die mich beeindruckt und geprägt haben.

Das bekannteste Werk von Arthur C. Clarke ist „2001: Odyssee im Weltraum“, nicht zuletzt weil vor 1968 in erstaunlicher Weise von Stanley Kubrick verfilmt wurde. Übrigens, ein immer noch sehr gut schaubarer Film, was man nicht über jedes 50 Jahre altes SF-Werk sagen kann. Clarke hat aber noch einige weitere, sehr lesenswerte Romane geschrieben.

„The Songs of Distant Earth“ ist irgendwie eine Utopie. Fast sofort nachdem klar war, dass die Erde in wenigen hundert Jahren zerstört werden würde, hat die Menschheit viele Kolonieschiffe ausgesandt, um fremde Welten zu besiedeln. So sollte menschliche Spezies und ihre Kultur erhalten werden. Eine dieser Welten ist der vor bis auf wenige Inseln aus Ozean bestehende Planet „Thalassa“. Hier hat sich in den etwa 700 Jahren nach der Besiedlung eine recht stabile, utopische Gesellschaft gebildet. Der Kontakt zur Erde ist vor einigen Jahrhunderten abgebrochen, weil ein kleiner Vulkanausbruch die Satellitenschüssel zerstört hat.

In die Idylle von „Thalassa“ bricht nun die Nachricht, dass sich ein Raumschiff nähert. Und zwar das letzte, dem die Flucht von der Erde gelungen ist. Der technische Fortschritt macht es möglich, dass die „Magellan“ fast 1 Million Menschen mit Ziel „Sagan 2“ (hach) transportieren kann. Thalassa ist ein geplanter Zwischenstopp um nach gut 200 Jahren Reisezeit Ressourcen (vor allem Wassereis) für den Rest der Reise nachzutanken.

Hier treffen nun also zwei Kulturen aufeinander. Die eine technisch weiterentwickelt als die andere. In der SF ein klassisches Thema, dass viele historische Vorbilder hat. Und meist ging das für die schwächere Kultur nicht gut aus. Wie es hier ausgeht, findet ihr schon selbst raus, wenn es euch interessiert. :)

Ich bin immer wieder von Clarkes nicht zu brechenden Optimismus überrascht. Dieser macht den Roman für mich so besonders. In der denkbar größten Katastrophe zeigt er, wie die Menschheit über sich hinauswachsen kann.

Nicht zuletzt ist der Roman für mich emotional aufgeladen, weil er Literatur mit Musik verbindet. Einige Jahre nach dem Erscheinen hat der Roman nämlich Mike Oldfield zum gleichnamigen Album inspiriert, in dem einzelne Stücke Szenen aus dem Roman gewidmet sind. Als Beispiel sollen hier „Ascension“ (https://www.youtube.com/watch?v=b6wqfiMBEik) aus dem Album ausreichen. Da ich das Album schon kannte, als ich das Buch zum ersten mal las, hatte ich gleich einen Soundtrack zum Geschehen im Kopf.

Noch ein paar Sätze zum Autor:
„The Songs of Distant Earth“ ist definitiv mein Lieblingsroman von Arthur C. Clarke. Es gibt aber noch einige andere, die sehr lesenswert sind. Die literarische Qualität zeigt sich auch darin, dass sie trotz teilweise sehr detailliert beschriebener Technologien nach so vielen Jahren immer noch sehr gut lesbar sind. Jemand, der mal versucht hat, Stanisław Lem zu lesen, weiss was ich meine.

Für den Einstieg empfehle ich „Rendevouz with Rama“ (1973, „Rendezvous mit 31/439“) sowie „The Light of Other Days“ (2000, „Das Licht ferner Tage“ und den „Times Eye“-Zyklus (2004-2009), beide in Zusammenarbeit mit Stephen Baxter.

Wer jetzt Lust auf mehr bekommen hat, kann sich an „The City and the Stars“ (1956, „Die sieben Sonnen“) und „Childhoods End“ (1953, „Die letzte Generation“) versuchen. Alle genannten Bücher gibt es zumindest in der englischen Fassung auch als Hörbuch.
„2001“ habe ich hier nicht vorgeschlagen, weil die Geschichte vermutlich ohnehin fast jeder kennt, der bis hierher liest :)

Hinweis zum Bild:
Das habe ich diesmal nicht selbst gescannt, weil ich meine Ausgabe verlegt oder verliehen habe. Ich hab‘s schon ein paar mal gekauft. Das Bild wurde vom Benutzer Rtrace@Wikipedia unter der Fair Use Bedingungen veröffentlicht: (https://en.wikipedia.org/wiki/File:Songs_of_distant_earth.jpg)

7Tage7Cover: Tag 6 von 7: Contact

Carl Sagan - Contact

Tag 6 von 7. Frank Röhr ist schuld. Also: 7 Tage lang Bücher, die mich beeindruckt und geprägt haben.

Einigen ist Carl Sagan vielleicht aus der in den 80ern ausgestrahlten und 2014 mit Neil deGrasse Tyson neu aufgelegten Fernsehserie „Unser Kosmos“ („Cosmos: A Personal Voyage“) bekannt. Er war derjenige, der angeregt hat, die „Voyager Golden Records“ zu erstellen und mit den Sonden als Botschafter unserer Kultur in das Weltall zu senden. Sagan war ein Visionär, sicherlich einer der intelligentesten Menschen überhautp und jemand, der Wissenschaft verständlich erklären konnte. Jap, er ist eines meiner Vorbilder!

1985 schrieb dieser Carl Sagan einen Roman über einen ersten Kontakt außerirdischer Intelligenz mit der Erde. „Contact“ ist harte Science Fiction. Das heißt, bei der Erzählung spielt die wissenschaftliche Korrektheit eine wesentliche Rolle. Sicher sind fortschrittlichen Technologien Freiheiten erlaubt, aber im Grunde muss schon alles richtig sein.

Im Roman geht es aber nicht darum, wie weit die Aliens uns technisch voraus sind, sondern was die Erfahrung „Wir sind nicht allein“ mit uns als Menschheit macht. Sagan behandelt persönliche Erfahrungen der Protagonisten, die große Politik und auch religiöse Aspekte eines solchen Ereignisses.

Aber für eine Geschichte sind neben der Handlung auch die Figuren unglaublich wichtig. Ich fand Ellie Arroway einfach großartig, ich habe David Drumlins Ränkeschmiede verabscheut und fand Billy Jo Rankin einfach nur abstoßend. Ich fühlte mich als Teil der Handlung. Also alles richtig gemacht!

Falls ihr euch jetzt wundert: Ja, das Buch ist verfilmt worden. Ich finde Jodie Fosters Interpretation von Arroway gar nicht schlecht, die Originalfigur war aber selbstbewusster, das fehlt mir. Aus erzählerischen Gründen wurden teilweise aus mehreren Figuren zusammengefasst. Ein paar Szenen sind kitschiger als im Buch. Aber, kann man sich anschauen.

7Tage7Cover: Tag 5 von 7: Dune

Frank Herbert - Dune

Tag 5 von 7. Frank Röhr ist schuld. Also: 7 Tage lang Bücher, die mich beeindruckt und geprägt haben.

„Dune – Der Wüstenplanet“ war meine erste ernsthafte Berührung mit Soft Science Fiction. Bei dieser Literaturform geht es nicht so sehr darum dass etwas im Weltall oder in der Zukunft spielt. Das ist nur das erzählerische Hilfsmittel, um ein Setup für die Geschichte zu haben.

In der Welt von Dune muss es in ferner Vergangenheit Kriege der Menschen gegen intelligente Maschinen gegeben haben. Das Imperium, in dem alles spielt, hat daraufhin jegliche Form von intelligenter Technologie verboten. Stattdessen gibt es spezialisierte … naja, Menschen … die die Aufgabe von Computern übernehmen (Mentanten als Wissensdatenbanken, Navigatoren zum Steuern von Raumschiffen, usw.) Möglich wird dies durch das das nur auf Arrakis vorkommende Spice. Deshalb hat jeder, der die Kontrolle über Arrakis hat, auch die Kontrolle über das Imperium.

In Dune geht es um den Machtkampf der beiden der beiden verfeindeten Adelshäuser Atreides und Harkonnen. Der Imperator hat befohlen, dass die Harkonnen die Kontrolle über Arrakis an die Atreides abgeben. Auch wenn Baron Harkonnen sich dem Willen de Imperators beugt, macht er es den Atreides nicht gerade leicht. Und so richtig kann man auch nicht glauben, dass Harkonnen seinem Erzfeind einfach so das Feld räumen will. Irgendwie bekommt man außerdem den Eindruck, dass der Imperator auch nicht alle Karten auf dem Tisch hat. Der Roman begleitet nun den jungen Paul Atreides, der sich in der ganzen Ränkeschmiederei zurech finden muss.

Der Roman von Frank Hebert stammt aus dem Jahr 1965 und ist, gerade weil er sich nicht auf Technologie stützt, immer noch sehr gut lesbar. Mit dem Hugo- und dem Nebula-Award hat er als erster Roman beide zu der Zeit wichtigen amerikanischen Science-Fiction Preise gewonnen. Bis 1985 schrieb Herbert noch fünf weitere, mehr oder weniger unabhängige Bände, die im Dune-Universum spielten. Alle sechs Bücher kann man ganz gut lesen.

Frank Herberts Sohn, Brian Herbert, hat das Universum später noch durch Sequels und Prequels erweitert, aber für mich gehören diese Bücher nicht mehr zum Zyklus. Einige sind ganz gut, aber sie atmen nicht mehr den Geist von Frank Herbert.

Zu Dune gibt es etliches an Verfilmungen, Brett- und Computerspielen und so weiter. Erwähnen möchte ich hier noch die Verfilmung von David Lynch aus dem Jahre 1984, der in Kameraführung, Szenenbild und Schauspielerei unglaublich gut ist. Die Handlung bleibt aber weitgehend ein Rätsel, wenn man das Buch nicht gelesen hat. Und natürlich das 1992 veröffentlichte Spiel „Dune II“, einem der ersten Echtzeit-Aufbaustrategie-Spiele und damit der Vorfahre des bekannteren „Command & Conquer“ oder für jüngere Leser, der Opa von „Starcarft“. Au wei, hab ich das viele Stunden gezockt …

7Tage7Cover: Tag 4 von 7: Confessions of a Buddhist Atheist

Stephen Batchelor - Confessions of a Buddhist Atheist

Tag 4 von 7. Frank Röhr ist schuld. Also: 7 Tage lang Bücher, die mich beeindruckt und geprägt haben.

Zum Thema Buddhismus habe ich schon einige Bücher gelesen. Das beginnt mit Groussets „Reise nach Westen“, geht über Shindai Sekiguchis „Was ist Zen?“, Bücher über die Ideen von Meister Rinzai Gigen, dem Begründer der gleichnamigen Zen-Schule, deren Erneuerung durch Meister Hakuin Ekaku und die hypermoderne Version des Soto von Brad Warner.

Am Nachdrücklichsten hat mich aber Stephen Batchelors „Confession of a Buddhist Atheist“ beeindruckt. In dem autobiographischen Buch beschreibt Batchelor den Beginn seines Weges als tibetanischer Mönch, seine Erfahrung mit koreanischen Zen und seine Zeit als Lehrer in Frankreich. Durch die Rückblicke entwickelt er einen dogmenfreien, ohne Mystik und höhere Wesen auskommenden Ansatz des Buddhismus.

Die Versuche, einen „westlichen Buddhismus“ zu entwickeln, begannen schon am Anfang des letzten Jahrhunderts. Oft versteht man darunter den Versuch, die lokale Kultur von der buddhistischen Weltanschauung zu trennen. Stephen Batchelor hat in seinem Buch zwei Dinge gemacht. Erstens erzählt er eine persönliche Geschichte, die nicht per se verallgemeinert werden kann. Zweitens hat er sich auf originale Quellen zurückbezogen, um nicht vom Weg abzukommen.

Und außerdem wird noch die wirklich bemerkenswerte Geschichte eines interessanten Menschen erzählt.
Für mich funktioniert dieser Ansatz sehr gut. Beim Lesen war ich oft verführt, Textpassagen anzustreichen, mit einem „Genau!“ zu versehen oder anderweitig meine Zustimmung zu formulieren.

Das Buch ist 2010 in Deutscher Übersetzung unter dem Titel „Bekenntnisse eines ungläubigen Buddhisten. - Eine spirituelle Suche“ im Verlag Ludwig erschienen. Ich hoffe, die Übersetzung ist besser als der Titel …

(PS: Ich versuche bei diesem Projekt wirklich den Lesbarkeitsindex über 30 zu halten. In zwei Absätzen ist mir das so gar nicht gelungen. Sorry!)